Auch Scheidungen gehören, auch wenn wir dies oftmals nicht wahrhaben wollen, der Realität an. Krisen in einer Beziehung und daraus resultierende, gescheiterte Partnerschaten stellen für die Kirchen kein Tabuthema dar. Vielmehr bemühen sich Seelsorgerinnen und Seelsorger der reformierten, der römisch-katholischen und der christkatholischen Kirche darum, Ratsuchende zu begleiten und zu helfen, schmerzhafte Erfahrungen zu verarbeiten, Vergebung zu empfangen und weiterzugeben sowie einen Neuanfang zu wagen.
Eine Wiederverheiratung nach einer Scheidung wird aber von der konfessionellen Seite unterschiedlich beurteilt: Für die reformierte Kirche gilt eine weltlich geschiedene Ehe als aufgelöst. Einer erneuten Trauung steht deshalb nichts im Wege. Im Traugespräch sollte aber gemeinsam nach einem Weg für das Gelingen der neuen Ehe gesucht werden. Nach römisch-katholischer Auffassung ist die Ehe nicht auflösbar; deshalb gibt es für sie grundsätzlich keine Scheidung. Eine kirchliche und damit vollgültige Wiederverheiratung ist ausgeschlossen. Die christkatholische Kirche traut auch Geschiedene. Sie spricht ihnen damit die Vergebung von Jesus Christus zu und öffnet die Möglichkeit zu einem neuen Anfang. Sie trägt damit der Tatsache Rechnung, dass die Ehe auch eine irdisch-menschliche Einrichtung ist, und deshalb Gefahr des Scheiterns ausgesetzt sein kann. |